Milljöh / Milieu - Selbstreflexion und Beobachtung 



2020, video work based on website, 16:9, 3 minutes









Anastasia Usatova
Supervisor / Betreuer*in: Claudia Hummel

"Milljöh / Milieu" ist ein soziales und künstlerisches Experiment. Ausgangspunkt dieses Projektes ist das Werk des Künstlers und Fotografen Heinrich Zille, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Menschen in Berliner Arbeiterbezirken zeichnete und fotografierte. Sein privilegierter Blick widmete sich all jenen, die in einer Zeit der großen gesellschaftlichen Umbrüche versuchten, ihr Leben in der sich damals rasch vergrößernden Metropole Berlin zu meistern. Er zeichnete die Menschen, die bisher nicht oder nur kaum in der Kunst zu finden waren, gleichzeitig jedoch exponierte er sie hierdurch, teils auch auf voyeuristische Weise. Circa 100 Jahre später und unter Achtung der Menschenwürde eines jeden Menschen habe ich mir im Rahmen der Arbeit Milljöh / Milieu dasselbe vorgenommen. Ich sprach mit Bekannten und Unbekannten, zeichnete sie, und sie zeichneten und beobachteten mich. Sie erzählten mir die Geschichten ihres Lebens und erwähnten immer wieder, wie COVID-19 ihr Leben beeinflusste. So entstand mein Material – in Wort, in Tinte, im gesellschaftlichen Experiment und in der Selbstreflexion, die ich in der Arbeit dokumentiert habe.

Anastasia Usatova, 1988 in Taschkent (Usbekische SSR), studierte an der Universität für Industriedesign und Kunst in Moskau (BA) und an der Universität der Künste Berlin (MA). Sie beschäftigt sich mit partizipativen Kunstprojekten und Kommunikationsdesign. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf grafischen Methoden.